Zwischen Skyline, Coke und Bürgerrechtsbewegung: Ostern im Süden der USA

Am Anfangvon allem steht ein Weihnachtsgeschenk von meiner Mutter: Zwei Wochen zusammen mit ihr und meinen Großeltern bei deren Freunden, die vor vielen Jahren in die neue Welt, nach Amerika ausgewandert sind. Zugegeben, es mag sicher coolere Arten seine Ferien zu verbringen geben als mit der Großfamilie, aber nicht, wenn das Ziel dabei Atlanta heißt. Da können auch meine, zugegebenermaßen zahlreichen, Vorurteile gegen dieses Land nichts dran ändern. Und so steht meine Planung der Osterferien für das Jahr 2008.

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Am Samstag den 15. März, zu Beginn der Ferien, geht es also los: Zwei Stunden Fahrt zum Flughafen in Amsterdam, Check-In, Wartezeit, noch längere Wartezeit weil sich unser Flug verspätet und dann sitzen wir endlich auf unseren Plätzen und sehen uns, eher wenig interessiert, den Film an, der uns mit den Sicherheitsvorkehrungen vertraut machen soll.
Dann startet das Flugzeug, die Häuser der Stadt werden kleiner. Auf Wiedersehen Europa, Welcome to America!
Doch bevor es wirklich soweit ist, liegen noch acht Stunden Flug vor uns. Dieser verläuft, dank neuster Technologie und gutem Service auch weitestgehend bequem - bis das Unterhaltungsprogramm auf Grund des Landeanflugs abgeschaltet wird. Nun gut, da liest man halt ein Buch oder döst vor sich hin, wäre da nicht die beunruhigende Tatsache, das man auf dem Bildschirm nun verfolgen kann, wie unser Flugzeug anstatt auf Atlanta zuzusteuern eine große Schleife über Alabama fliegt! Eine halbe Stunde später als geplant landen wir dann doch, um noch eine weitere gute halbe Stunde im Flugzeug darauf zu warten, dass das Flugzeug an das Gate fahren darf.
Wie sich herausstellt ist kurz vor uns ein Unwetter über Atlanta gewesen, Sturmwarnung inklusive.
Aber nun sind wir ja schließlich endlich gelandet und ziehen bei den hohen Temperaturen erstmal die Jacken aus.
Wir wären allerdings nicht in Amerika, wenn uns nicht noch eine Reihe von Sicherheitskontrollen von unserem eigentlichem Ziel trennen würden. Nach dem wir unsere Fingerabdrücke abgegeben haben, durch die Schleusen gegangen sind, meine Oma auf Grund ihren künstlichen Hüfte einer eingehenden Prozedur unterzogen wurde, wir unser Gepäck nocheinmal durchleuchten lassen mussten und mindestens drei mal angeschnauzt wurden, weil wir auf dem Gang stehen geblieben sind, betreten wir schließlich doch noch die Empfangshalle, wo Gert Schroth, langer Freund meiner Großeltern, uns auch schon erwartet. Er führt uns zum Jeep seiner Frau, wir laden das Gepäck auf und werden darüber informiert, dass man sich in den USA nur auf den vorderen Sitzen anschnallen muss. Und ab geht es über den Highway zum Highgrove Point, Wohnsitz des Ehepaars Schroth.
Der Weg dorthin führt einmal durch die ganze Stadt, vorbei an der Coca Cola Company, vorbei am Olympiastadium und vorbei an unzähligen Wolkenkratzern mit zerborstenen Scheiben: Am Freitag hat ein Tornado die Innenstadt schwer beschädigt, die Down Town ist gesperrt. Nicht umbedingt eine absolute Seltenheit in den Vereinigten Staaten.

Allein schon um ein Ehepaar wie Waltraut und Gert kennen zu lernen lohnt es sich, einmal über den Atlantik zu fliegen. Er ist, verglichen mit seiner Frau, von einem eher ruhigerem Naturell, doch stille Wasser sind, in seinem Falle, trinkfreudig. Außerdem soll ich von ihm während der Dauer meines Aufenthalts einige nicht ganz saubere Witze mit nach Hause nehmen. Waltraut ist wohl am besten mit einem Verein wie Bayern München zu Vergleichen: Entweder man ist eingefleischter Fan oder man kann sie auf den Tod nicht ausstehen. Ich für meinen Teil liebe das quirlige, bestimmende Mädchen (jawohl, Mädchen das sie trotz ihres Alters zweifelsohne ist), bei dem die Haarfarbe, rot, wirklich auf den Charakter passt.
Als wir ankommen ist die Tür sperangelweit geöffnet, es läuft Countrymusik und die selbstbewusste Frau nimt uns unter ihre Fittiche.
Mein erster Gedanke beim Anblick des Hauses ist der an einen Antiquitätenladen. Überall hängen alte Bilder und Teller, stehen Figuren und Schälchen, liegen Teppiche, die Möbel sind größtenteils entweder vererbt worden, oder von Waltraut selbst gefunden und restauriert.Ersteinmal werden uns unsere Zimmer gezeigt und ich habe doch tatsächlich ein eigenes mit einem Bad! Mit den vielen Spiegeln und dem großen Bett, fühlt man sich darin wie eine richtige Prinzessin.
Dann gibt es was zu essen: Broccoli-Kartoffelauflauf. Und wer dann nach dem langen Flug noch Kraft hat, kann mit Gert zum Einkaufen, schließlich sind die Süpermärkte hier 24 Stunden geöffnet. Na, dieses Angebot lass ich mir doch nicht entgehen! Zu dritt setzen wir uns in Gerts Mercedes und fahren zu Publics.
Schon allein das Angebot unterscheidet sich von dem in Deutschland: Unzählige Produkte von Kellog's und Masterfoods gibt es, dafür vermisse ich aber Kinderriegel. Die meisten Sachen gibt es hier in XXL-Packungen, wie um das Vorurteil zu bestätigen.
An der Kasse begrüßt uns eine freundlich lächelnde Bedienung, sofort wird man gefragt wie es einem geht. Ich mache mich, ganz praktisch, daran die Lebensmittel einzupacken - was eine bedröppelt dreinschaunde Afroamerikanerin zur Folge hat. "Hey", lacht Gert, "Du nimmst ihr die Arbeit weg!"
Beschämt räume ich das Feld und schaue zu, wie uns die Frau unsere Tüten packt.
And that's America.

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Den Sonntagmorgen beginnen wir auf amerikanische Weise mit Bagels und Frühstücksmuffins. Na gut, zugegeben, nicht ganz so für Amerika typisches Schwarzbrot hat sich auch darunter gemischt. Deutsche Gewohnheiten lassen sich also auch nach so langer Zeit schlecht ablegen: Vor 40 Jahren fuhren die Schroths mit dem Schiff nach Amerika, anfangs wegen einem Jobangebot, das nur wenige Jahre dauern sollte. Aber auf das eine Angebot folgte das nächste und so weiter, bis sie schließlich in Atlanta landeten.

Noch beim Frühstück fällt mir schlagartig ein, dass ich meine Joggingschuhe doch tatsächlich vergessen habe! Alles kein Problem, beschwichttigt Gert, schließlich haben in den USA die Läden auch Sonntags geöffnet. Also nichts wie los, neue Schuhe im Sportwarenladen kaufen.
Und damit nicht genug, nein, wir kriegen auch die Lenox-Mall gezeigt. Zwei Stunden stöbere ich mit meiner Mutter hier herum, dann wollen wir uns wieder mit der älteren Generation treffen.
Hier drängt sich Boutique an Kaufhaus, an Fressstand. Jung und alt läuft aneinander vorbei, wenn man einen Laden betritt wird man mit einem freundlichen 'Hello' und 'How are you today?' begrüßt. Und auch wenn das wohl ein Standartspruch ist, man möchte es den Verkäufern wirklich abnehmen.
Eins fällt jedoch auf: Schwarze sind mit Schwarzen unterwegs und Weiße mit Weißen. Gemischte Pärchen sehe ich gar keine. Ja, es scheint sogar, als wären in gewissen Läden nur Angehörige einer Rasse. Es wird wohl noch einige Generationen dauern, bis Hautfarbe wirklich nicht mehr von belang ist.

Als ich mich auf den Weg mache um eine Runde zu Joggen, ist wunderschönes Wetter. Trotzdem sind lange nicht so viele Spaziergänger unterwegs, wie es in Deutschland wohl der Fall wäre. Allerdings stimmt es auch nicht, das in Amerika überhaupt niemand zu Fuß gehen würde, einige sind schon mit Hunden oder Kindern draußen. Es wird auch bei neuen Bauprojekten in den USA darauf geachtet, dass ein Bürgersteig angelegt wird, um den Nachfragen der Bevölkerung gerecht zu werden.

Am Abend kommt Janette zu Besuch, auch eine Deutsche die vor einigen Jahren ausgewandert ist. Bei einer Art 'Maiskuchen' unterhalten wir uns über Vorurteile gegenüber den USA, besonders im Bezug auf die Rassentrennung.
Es stimmt schon, Schwarze werden immer noch oft gemieden, im Gegensatz zu Mexikanern und Asiaten. Woher kommt dieser Unterschied? Nun, letztere kommen aus freien Stücken nach Amerika und sind bereit für ihren Traum von einem neuen Leben hart zu arbeiten. Die Afroafrikaner hingegen haben sich die USA nicht direkt ausgesucht und sind wegen dem begangenen Unrecht oft nicht Willens viel in ihren Job zu leisten. Ja, laut den Deutsch-Amerikanern mit denen ich rede setzen sich die meisten Schwarzen eher hin und warten darauf, dass die Weißen ihre Schuld begleichen. Dies stößt bei den europäischen Amerikanern auf Unverständnis, schließlich gelten die Vereinigten Staaten seit jenher als das Land, in dem jeder etwas erreichen kann, wenn er dafür nur genug tut. Dies wiederum schließt die Kluft zwischen Weiß und Schwarz nicht.
All dies kommt mir zunächst wie ein einziges großes Vorurteil vor. Vielleicht ist es das ja auch, aber viel anders ist es mit den Türken in Deutschland ja auch nicht. Vielleicht sollten wir uns also ersteinmal unseren Problemen widmen, bevor wir andere Länder darüber belehren, wie sie mit ihren Minderheiten umzugehen haben.
 

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Eigentlich bin ich gestern Abend von Janette dazu eingeladen worden, mit ihr durch die etwas preisgünstigeren Geschäfte der Stadt zu streifen, aber heute ist schönes Wetter, morgen hingegen soll es regnen.
Also fahren wir nach Stone Mountain, eine der beeindruckendsten Naturschönheiten Georgias. Der Berg ist ein riesiger Granitblock, der durch vulkanische Tätigkeiten aufgeschichtet worden ist. Er spielt seit jenher eine wichtige Rolle in der Geschichte dieses Landteiles: zum einen wurde er von den Eingeborenen als heiliger Berg verehrt, zum anderen diente er aber auch dem Ku Klux Klan als Hauptquartier.
Als der Berg in unser Blickfeld gelangt, wird mir bald klar warum er eine so große Anziehungskraft ausübt: ein grauer, hügelartiger Fels, der in der ansonsten flachen, grünen Gegend völlig deplaziert aussieht.Um ihn herum erstreckt sich einer der größten Parks in Georgia, in dem man fast jeder Freizeitbeschäftigung nachgehen kann und in den Granit selbst sind die drei prominentesten Personen während des Bürgerkrieges zu Pferde dargestellt. In einem gewaltigen Maßstab: Ein zwei Meter großer Mann würde allein in das Maul eines Pferdes passen!
Nachdem man dies alles vom Fuß des Berges heraus wargenommen hat, möchte man das Szenario natürlich auch von oben betrachten. Also mache ich mich zusammen mit Gert, meiner Mutter und meinem Großvater auf den Weg zur Spitze. Gut eine halbe Stunde krakseln wir über den Stein, auf dem sicht dicht an dicht eingeritze Namen und Botschaften reihen. Schon auf halber Höhe hat man einen wunderschönen Blick auf die Skyline Atlantas. Schade, dass man sie auf Grund des Wetters nur schlecht erkennt. Am höchst gelegenden Punkt ist die Ausicht dann schließlich vollkommen atemberaubend: Rings um uns nur grün und in der Ferne die Häuser Atlantas.
Zurück fahren wir dann allerdings doch lieber mit der Seilbahn, anstatt den steilen Weg herunterzurutschen. Dort treffen wir dann auch Waltraut und meine Großmutter wieder, die während wir auf dem Stone Mountain waren eine alte Plantage besichtigt haben. Gemeinsam essen wir noch und dann geht es nach Haue.
Das heißt, eigentlich doch nicht, denn vorher möchte Waltraut uns noch unbedingt den Farmer's Market zeigen. Hier kaufen sie alle ein: Afroamerikaner, Asiaten, Puerto Ricaner, Mexikaner, Äthiopier und so weiter. Der Supermarkt ist auch genau auf all diese Ansprüche ausgerichtet, nur etwa die Hälfte des angebotenen Obst und Gemüse ist mir bekannt, wie man die anderen zubereiten sollte ist uns absolut schleierhaft. Aber man wäre ja schließlich nicht mit Waltraut unterwegs, wenn diese es nicht sofort in Erfahrung bringen würde. Blitzschnell ist eine Dame angesprochen worden, die etwas von dem Fremden in ihrem Einkaufswagen hat. Am Ende wissen wir nicht nur, dass das Wurzelgemüse eine Art afrikanische Kartoffel ist, sondern haben auch eine (wahrscheinlich eher scherzhaft gemeinte) Einladung zum Abendessen. Zum Schluss weiß ich nicht genau warum uns soetwas in Deutschland eher selten passiert: Sind die Amerikaner wirklich von Grund auf freundlicher, oder geben wir Deutschen anderen oft nur nicht die Möglichkeit zu zeigen, wie herzlich wir auch zu einem völlig Unbekannten seien können?

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Und auch am nächsten Tag hat Waltraut wieder andere Pläne für mich. Kaum bin ich müde die letzte Stufe hinabgetorkelt, erklärt sie mir auch schon wir würden heute in die Downtown fahren, schließlich solle es ja morgen regnen.
Also hieve ich mich nach dem Frühstück mal wieder in den Gepäckraum und los geht es.
Atlanta ist eine relativ schmale, aber lange Stadt, und da unsere Gastgeber uns alles zeigen wollen, fahren wir einmal mitten hindurch.
"So, und jetzt verlassen wir Uptown", auf diesen Kommentar von Waltraut nach etwa zwanzig Minuten kann ich nur verduzt fragen, ob wir denn nicht schon in Downtown wären? Nein, erst wird noch die Midtown passiert, ein Stadtteil, der zuweil ein sehr eigentümliches Straßenbild bietet: Atlanta war Jahre lang führend darin, alte Häuser abzureißen. Heute würde man das wohl gerne wieder rückgängig machen, denn teilweise wurden alte Villen komplett ab- und vor modernen Hochhäusern wieder aufgebaut.
Erst nach einer Stunde steht der Pick-Up auf einem Parkplatz in der fast wie ausgestorben wirkenden Downtown.
Diese ist... beeindruckend. Ja, das scheint das richtige Wort zu sein. Sicher, ein New Yorker oder auch andere Bewohner großer Städte würde der Anblick der sich in die Höhe erstreckenden Büros wohl kaum überraschen, aber mir als Aachenerin aus einer Stadt, in der kein Gebäude den Ausdruck 'Hochhaus' verdient, imponiert das ganze sehr. Atlanta wurde hauptsächlich von einem Architekten erbaut, John Portman. Er war es auch, der all seine Bürokomplexe untereinander durch Übergänge verband, fast alle Häuser sind zu erreichen, ohne vor die Tür zu müssen. Mit ein Grund, weshalb sich kaum eine Menschenseele blicken lässt; Wer nicht arbeitet, denn allein für die Büroarbeit und die Unterbringung von Touristen wurde die Downtown bestimmt, der erledigt seine Fußgänge im überdachten Bereich.
Jedoch, ich kann natürlich mal wieder, kaum sind wir angekommen, nur ans Essen denken. Und weil es den anderen ähnlich geht, machen wir uns vor der Besichtigung Atlantas erst einmal zu einem Food Curt auf. Allerdings ist auch dies für den durchschnitts Europäer einen Abstecher wert: Dicht an dicht stehen hier überdacht Subway an Starbucks, McDonalds an Backer's Corner und Sushiläden an mexikanische Fressbuden. In der Mitte dieses Paradieses aus - und hier greift das Vorurteil leider - hauptsächlich Fast Foods stehen Tische, an denen man es gleich verspeisen kann. Jene sind allerdings fast ausnahmslos belegt, denn es ist Mittagszeit und die Angestellten aus Banken, Hotels und Restaurants nehmen hier ihr Lunch ein.
Nachdem wir also unsere Pitas gegessen und das Wasser, das es hier immer umsonst dazu gibt, getrunken haben, machen wir uns, natürlich ohne einen Fuß vor die Tür zu setzen, zum Mariott Marcy auf, einem Hotel mit schwindelerregenden 47 Stockwerken. Diese fahren wir dann auch in einem gläsernen Aufzug hinauf, denn von oben hat man einen wunderschönen Blick auf Atlanta. Balkone gibt es auf dieser Höhe nicht mehr - zu viele sind schon gesprungen.
Anschließend erkunden wir die an vielen Stellen atemberaubende und künstlerische Architektur Atlantas Downtown weiter, von innen wie von außen. Man möge es mir verzeihen, dass ich nicht all die Namen von Hotels und Bürohäusern hier aufliste, es waren einfach zu viele.
Leider können wir aber kaum auf die Wolkenkratzer hinauf, zu groß sind die Schäden, die der Tornado am Freitag hinterlassen hat. Zahlreiche Fenster aus den höheren Etagen sind zerstört, überall auf der Straße liegen Glassplitter herum ud Sicherheitsbeauftragte, die die Reparaturarbeiten überwachen sind allgegenwertig. Unser Ausflug endet im Olympiapark, wo der Sturm sogar zwei der hohen, massiven Säulen umgeschmissen hat! Wo noch vor vier Tagen keiner auf Grund des Unwetters hin durfte, sonnen sich jetzt wieder die Leute auf den Bänken. Der Wind weht nur schwach.
Waltraut zeigt uns den Stein ihrer Mutter. Der Park, dies lernen wir, wurde nämlich dadurch finanziert, dass Bürger für Gravuren von Namen in seinem Pflaster bezahlten. Da sind bedeutende, wie Martin Luther King Junior, aber auch eine Judith Stronger und ein James Roberts Gamble. Und eben die Mutter dieser dominanten Frau, Elisabeth Marx.

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Auch Janette gehört zu denjenigen, die irgendwie in Amerika hängen geblieben sind. Das Jobangebot, die Verlängerung, aus drei werden fünf Jahre, plötzlich leben die Kinder schon länger in den USA als in Deutschland... und jetzt wohnt Janette schon 40 Jahre in den Vereinigten Staaten. Den Kontakt zu der Heimat verlor sie allerdings nie, jeden Sommer fährt sie ins alte zu Hause, nach Hamburg.
Als sie uns unmittelbar nach dem Klopfen die Tür öffnet (ich werde den Verdacht nicht los, dass sie auf uns gewartet hat) strahlt Janette über das ganze Gesicht. Und kaum haben wir einen Fuß ins Haus gesetzt nimmt Waltraut, ganz der Fremdenführer, die Sache in die Hand und zeigt uns jeden Raum; Esszimmer, Wohnzimmer, Saloon, Garten, Küche, Gästezimmer, die zwei Bäder und das Schlafzimmer. Viel Platz für Janette, deren Mann vor zwölf Jahren starb, aber gerade klein genug um die Witwe nicht verloren wirken zu lassen.
Bevor es weiter geht, bietet Janette uns ersteinmal frisch gebackene Muffins und kaltes, aber abgekochtest Wasser an. Sie kocht ihr Wasser immer ab. Nach dieser Verschnaufspause trennen wir uns von Waltraut sowie meiner Verwandschaft und ehe ich mich versehe finde ich mich zusammen mit der kleineren Dame in einem Discounter wieder, einen Haufen Sachen im Arm, die mir Janette als 'so cute' anpreist. Tätsächlich bekomme ich auf unserer Tour die gewünschte Jeans, passende Schuhe zu meinem neuen Rock und ein schönes T-Shirt. Nur ein Top um es auf besagten Rock zu tragen lässt sich nicht blicken. Aber es ist erst mein viertet Tag in Amerika und in Deutschland gibt es ja zur Not auch noch Geschäfte.
Am Ende unseres Ausflugs stehe ich bei meinen Gastgebern schon auf der Vermisstenliste. Während ich noch um kurz vor sechs mit Janette beim Kaffee sitze, ruft Waltraut an um zu fragen, wo ich denn bliebe. Obwohl es das nicht ganz trifft, einfordern währe wohl der passendere Begriff, denn schließlich sprechen wir von Waltraut. Aber da wir zum Abendessen Gäste erwarten, sollte ich mich wohl wirklich mal langsam auf den weg machen. Zusammen mit Janette, denn auch für sie hat Waltraut kurzer Hand beschlossen zu kommen.

Und so lerne ich zum Abendessen zum ersten Mal "richtige" Amerikaner kennen, die nicht erst seit einer Generation hier leben.
Da wäre zum einen Paul, Waltrauts treuer, schwuler Freund, ebenfalls mit deutschen Wurzeln, der erst vor kurzem sein Coming-Out hatte. Zum anderen die Johnsons, derren vorfahren schon seit langem in Georgia wohnen. Tatsächlich vermitteln sie an Hand ihres Dialekts, der etwas konservativen Art und der Tatsache, dass sie Republikaner sind ganz den Südstaatler. Aber nett sind sie!
Da weder das Ehepaar noch Paul Deutsch sprechen, reden wir soweit es geht Englisch. Es wäre gelogen würde ich sagen, ich verstünde alles, aber doch einen Großteil. Und ansonsten hat Lachen und Nicken noch nie geschadet. Wir unterhalten uns über schier alles von Disneyfilmen, Blondinenwitzen, Führerscheinprüfungen bis hin zur Kirche - zu der ich auch prompt von Mrs Johnson eingeladen werde. Na gut, auch wenn ich eigentlich nicht an Gott glaube, anschauen schadet ja nicht. Und nein sagen konnte ich noch nie gut...
Ein großes Thema ist natürlich die Wahl, vor allem in Hinblick auf Obamas Rede zur Beziehung zwischen den Rassen, die er gestern gehalten hat. Fast jeder vertritt eine andere Ansicht: War es gut, verfiel er zu sehr in die Opferrolle, wird die Rede veranlassen das er auf- oder abgestellt wird...?
Ich persönlich fand das, was ich von dem Gesagten auf Englisch verstanden habe, gut. Wie dem auch sei, morgen werde ich mich beim Besuch des Martin Luther King Hauses ausführlicher mit dem Thema des Konflikts zwischen Schwarz und Weiß auseinandersetzen können.


 

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Den Donnerstag Morgen beginne ich mit einem Rundlauf, der weit ausgeprägter verläuft als zunächst geplant. Denn irgendwann auf der Runde um den Golfplatz fällt mir auf, dass ich hier doch schonmal war. Zu allem Überfluss knickt mir dann auch noch der Fuß um und ich probiere weit langsamer als beabsichtigt alle Ausfahrten aus, an denen ich zuvor vorbeigejoggt bin. Als ich dann schließlich doch noch irgendwie zum Highgroove Point finde, steht auch schon fast wieder die Abfahrt an.
Heute muss ich nicht in den Kofferraum, denn die Männer lassen wir einfach mal zu Hause. Zunächst fahren wir durch das Wohnviertel Buckhead, wo sich Villa an Villa reiht. Die Grundstücke hier sind riesig, die Häuser in allen erdenklichen Stilarten gebaut - nur die Moderne fehlt. Viel beliebter sind Bauweisen aus einer Zeit, in der Atlanta, wenn überhaupt, noch in den Kinderschuhen steckte. Vielleicht wirken sie deshalb manchmal etwas... gestellt. Überwältigend uns schön, ja, aber irgendwie nicht immer richtig echt.
Doch Ziel der eigentlichen Fahrt ist viel mehr die Besichtigung des Rundgemäldes "Battle of Atlanta", als die Begutachtung der Häuser.
Das Gebäude, in dem dieses ausgestellt ist, liegt direkt neben dem Zoo Atlantas, neben einem großen Park, auf dem sich bei dem malerischen Wetter die Menschen tummeln. Ein schwarzer Straßenmusiker untermalt dieses idyllisches Bild mit seiner souligen Stimme.
"The Battle of Atlanta" stellt die Schlacht um Atlanta während des Bürgerkrieges 1864 dar. Es war der Plan der Union vom Norden über Atlanta nach Savannah zu ziehen um die Konfideration zu spalten. Die Stadt Atlanta war als Eisenbahnknotenpunkt besonders wichtig, weshalb die Truppen der Union Atlanta abbrannten, um zu verhindern das der Feind die Stadt schnell wieder als diesen nutzen konnte. Der Tatsache, dass es trotzdem nach dem Krieg ein um das vielfache seiner vorherigen Attraktivität dazu erlang, ist es zu verdanken, dass der Phönix, der legendäre Vogel der aus seiner Asche wiedergeboren wird, zum Wahrzeichen Atlantas wurde.
Dass von mehrern Malern erschaffene Gemälde ist beeindruckend, leider wird sein Charme und die täuschend echte 3D-Wirkung etwas dadurch gestört, dass man es für nötig erachtete Plastikfiguren davor zu setzen um das Bild so 'weiterzuführen'.
Wieder draußen haben wir Hunger. Auf den Rat unserer Fremdenführerin machen wir uns auf den Weg zum 'Six Feet Under', welches ironischer Weise dem Friedhof gegenüber liegt. Dieses Restaurant ist so typisch für Amerika, wie nur irgend möglich: Trinken bis man platzt, riesen Portionen und alles was dann doch nicht mehr reinpasst, wird in Doggybags gepackt. Hier tummelt sich alles: Neben uns beten drei schwarze Frauen bevor sie anfangen zu essen, hinter uns nehmen Cops ihr Lunch ein, in der Ecke sitzen zwei Lesben, das Kind einer jungen Mexikanerin brüllt. Sogar Mr Johnson liebt diesen Laden, wie ich am Abend erfahren soll.
Als wir gestärkt sind geht es weiter zu dem Viertel, in dem Martin Luther King geboren wurde. Hier reihen sich die Shotgun Häuser aneinander - Shotgun weil sie das Image haben, dass eine Kugel hier zur einen Wand rein und zur anderen wieder raus schießt. Die Gegend ist immer noch eine reine Schwarze. Während wir Martin Luther King Juniors Grab besuchen, während wir uns die Ausstellung über ihn ansehen, während wir in das Museum gehen sehe ich nur einen einzigen Asiaten, ansonsten sind, bis auf uns, alle Afroamerikaner, vor allem Jugendliche.
Ein kleines Mädchen steht im Museum vor mir, berühert die zur Anschaulichkeit dienenden Gefängnisgitter.
"Oh, what did he had to go to jail for?", fragt sie ihren Vater mit Unverständnis. Und aus irgendeinem Grund berühert mich das ungemein.
Anscheinend spürt sie, dass sie beobachtet wird, denn sie dreht sich zu mir um. Doch bevor sie mir in die Augen sehen kann, wende ich mich ab.
Weshalb? Vermutlich Angst davor, sie könnte mir, einer weißen, kein Lächeln abgewinnen. Ein Bedenken, das wohl nicht einmal berechtigt ist, doch stark genug mich dazu zu bringen, weiter zu gehen, weg von dem Kind mit der fragenden Stimme.
Am Abend besuchen wir die Johnsons, um uns wie versprochen den in Savannah gedrehten Film anzusehen. Durch das Haus zu streifen ist schon allein deshalb interessant, da der Lebensstil des Ehepaars typisch amerikanisch ist, oder zumindest typisch für die Südstaaten: Die Möbel sind alt, hier und da trifft man auf Bilder und Figuren, jedoch sparsamer als es bei den Schroths der Fall ist. Besonders hevorzuheben bei dem Rundang durch Esszimmer, Küche, Saloon und eine Reihe von Gästezimmern ist das Schlafzimmer der beiden selbst, mit einem eigenen Kamin und einem Bett, für dessen Erklimmung Mrs Johnson eine kleine Treppe benötigt. Alles in allem lässt sich das Haus wohl am besten mit der alt-englischen Wohnart vergleichen.
Mrs Johnson hat uns einen wunderbaren Nudelauflauf gezaubert, und angesichts unserer Gastgeber bemühe ich mich redlich - und sogar mit Erfolg - um entsprechende Tischmanieren.
Nach dem Essen geht es in den Keller um 'Midnight in the Garden of Good and Evil' zu sehen, der, Gott sei Dank, Englischsprachige Untertitel hat; Meine Lehrerin würde es bei dem starken Südstaatlerakzent grausen. Ich muss zugeben, dass ich den etwas steifen Johnsons, besonders der Frau des Hauses, einen solchen Film gar nicht zugetraut hätte. Nicht das es besonders spritzig wäre doch ein bisschen... anders schon.
Kaum ist er jedoch vorbei, wird sich schon wieder verabschiedet. Das ist mir auch schon in den letzten Tagen aufgefallen, Gäste sind selten für wirklich lange Dauer. Es wird sich getroffen, um das zu tun wofür man sich verabredet hat. Darüber hinaus strapaziert man die Gastfreundlichkeit nicht.
Na dann, gute Nacht! 

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Der nächste Tag ist ein Freitag. Und Freitag ist für Waltraut und Paul Garage Sale Tag!
Garage Sale: Das bedeutet stundenlanges herumgewühle in den alten Sachen fremder Leute, das ist feilschen, das heißt Ramsch neben kleinen Schätzen und alles zu Spottpreisen.
Der Erste Sale zu dem wir fahren, ist allerdings eher eine Entäuschung. Die einzige, die dem Kitsch etwas abgewinnen kann, ist Waltraut, wir Besucher aus Übersee halten mit unserer Meinung diskret unterm Tisch. Es ist aber klar, dass wir uns voller wiederstreben auf einen Morgen dieser Art gefasst machen.
Jedoch völlig zu Unrecht, wie sich herausstellt.Der nächste Verkauf ist eigentlich kein Garage Sale, sondern ein Housing Estate, eine Hausauflösung also. Fast das ganze Haus dient zur Verkaufsfläche, und fast das ganze Haus ist auch zu verkaufen! Hier findet wohl jeder etwas - auch ich. Zwei Paar noch nie getragener Schuhe, einen Pullover und eine Bluse, alles zusammen für 7 Dollar - das entspricht etwas weniger als 5 Euro. Also, jetzt verstehe ich warum Waltraut und Paul das jeden Samstag machen... und wer nach Amerika kommt, sollte sich das auch auf jedenfall einmal antun!

Nach dem Ausflug geht es für mich also zusammen mit Mrs Johnson in die Kirche.
Das riesige, steinerne Gotteshaus wirkt auf mich wirklich beeindruckend. Genauso die zahlreichen Kontakte von Mrs Johnson! Und jedem, den wir begegnen stellt sie mich mit den Worten vor, das ich auf eine christliche Schule gehe - was zur sofortiger Aufnahme in ihren Kreis wirkt.
Aber als wir die eigentliche Kirche betreten, verstummen sofort alle Gespräche. Stattdessen wird fast den ganzen Gottesdienst über gesungen. Die gesamte Geschichte Jesus' Kreuzigung wird auf diese Weise erzählt. Das ist zwar auf der einen Seite sehr eindrucksvoll, auf der anderen dauert es aber extrem lange! Eineinhalb Stunden sitzen wir schon, als wir zum beten kommen. Und da fängt es eigentlich erst richtig an: Rauf, runter, knien, stehen, sitzen... und dann wieder von vorne das ganze! Wir beten für schier alles... den Supreme Court, die Ungläubigen und tatsächlich auch für George W. Bush! 
Doch auch das geht vorbei und Mrs Johnson bringt mich zurück zu Waltraut.
Alles in Allem kann ich abschließend sagen, das so ein amerikanischer Gottesdienst durchaus eine Erfahrung wert war, aber dennoch bin ich froh darüber, den wunderschönen warmen Tag wieder auf der Terasse verbringen zu können! 

 

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Am Samstag hat Waltraut genug vom ewigen Fremdenführer - sie schickt Gert allein mit uns los. Auch meine Mutter bleibt im Haus.
So geht es also zu viert zum Atlanta History Center, dass aus einer vielzahl an Ausstellungen und einem kleinem Freilichtmuseum besteht.
Eigentlich ist unser Ziel das Swanhouse, welches nach dem Tod der Besitzer an die Stadt verkauft wurde. Bis zur nächsten Führung ist es jedoch noch einige Zeit, deshalb beschäftigen wir uns zu erst mit der allgemeinen Geschichte Atlantas. Hier sind anschaulich alle Kapitel der Vergangenheit dieser Stadt geschildert. Angefangen vor dem Bürgerkrieg, als Atlanta noch nicht Atlanta hieß, jedoch schon seit langem von Indianer besiedelt worden war. Sogar Gold gab es in seiner Umgebung. Erst um 1873 entstand hier eine kleine Railroad Community, die im Bürgerkrieg zerstört wurde. Nach dem Wiederaufbau, jetzt als Hauptstadt, verdreifachte sie ihre Einwohnerzahl von 1870-1890.
Man schrieb 1880, als Coca Cola erfunden wurde und anfing die Stadt zu erobern. Zeitgleich schritt die Emanzipation voran, doch gab es immer noch ein schwarzes und ein weißes Atlanta. Die Afroamerikaner hatten unter schwerer Unterdrückung zu leiden, Benachteiligungen waren an der Tagesordnung. Auch der Klu Kux Klan gewann immer mehr an Bedeutung.
Doch all dies hinderte Atlanta nicht daran, sich zur echten Großstadt zu entwickeln, derren Häuser sich in die Höhe streckten..
Und dann begann die Bürgerrechtsbewegung, mit dem in Atlanta geborenen Martin Luther King Junior an der Spitze, und die Ungerechtigkeit, die den Schwarzen zu Teil wurde, wurde zumindest aus dem öffentlichen Leben verbannt.
Bis zur Olympiade '96, die in Atlanta stattfand, geht die Ausstellung und die Zeit vergeht wie im Flug. Viel zu schnell müssen wir uns auf den Weg zum Swanhaus machen. Doch auch dieses pompöse Bauwerk ist einen Ausflug wert. Kaum denkbar, dass dies wirklich einmal ein Einfamilienhaus war und hier Leute gelebt haben sollen. Gerade mit Kindern, die ja bekannter Maßen nicht dafür bekannt ist wenig Schmutz zu machen. Aber wenn man sich ein Haus wie dieses leisten kann...
Nach der Besichtigung des Anwesens statte ich noch der Ausstellung über den Bürgerkrieg einen Besuch ab. Auslöser dieses war, dass der Süden auf Grund von Meinungsverschiedenheiten mit dem neu gewählten Präsidenten einen selbstständigen Staat gründen wollte, der Norden wollte dies aus Angst vor dem Zerfall der Union nicht zulassen. Die Befreiung der Sklaven wurde erst später zum primären Ziel der Nordstaaten. Fünf Jahre, von 1861-1865 dauerte der Krieg an, bis schließlich die Union siegte . Bis dahin hatten schon 670000 Menschen ihr Leben lassen müssen.

Als wir aus dem History Center kommen, ist es immer noch wunderschön warm und viel zu schön, um nicht noch eine Runde spazieren zu gehen. Doch nicht allein: Lucy kommt mit.
In Amerika wollen sie alle einen Hund, aber so gut wie keiner hat die nötige Zeit, um sich um ihn zu kümmern. Jedoch, wir würden nicht von den USA sprechen, wenn man nicht eine Lösung finden würde. Es wird einfach eine Elektrolinie um den Vorgarten gespannt und wenn der Hund, mit einem elektronischen Halsband ausgestattet über diese Linie tritt... Zack! So kommt es, das im Vorgarten sitzende und kläffende Hunde fest ins Straßenbild integriert sind.
Der Fairness halber muss man sagen, dass der Fall bei Schroths direkten Nachbarn etwas anders liegt: Lucys Frauchen hat Krebs und ist gerade erst aus dem Krankenhaus zurückgekehrt. Mit dem Hund vor die Tür zu gehen ist ihr noch nicht wieder möglich.
Kaum zu beschreiben ist die Freude der kleinen Hundedame, als ich sie abhole. Offensichtlich habe ich eine neue Freizeitbeschäftigung in Amerika gefunden!

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Den Ostersonntag verbringen wir nicht wie geplant mit der Familie von Peter, Waltrauts heißgeliebten Sohns, denn diese ist vollständig an Magendarmgripe erkrankt. Deshalb wird auch nicht an einer Easter-Egg-Hunt teilgenommen, bei der in öffentlichen Parks Eier für die Kleinsten versteckt werden. Das Ritual der Eier reicht also auch über den Atlantik.
Stattdessen starten wir mit einem Brunch, das zusammen mit Janette und Paul eingenommen wird, in den Tag. Nach der Quiche, dem Obstsalat und den Eiern lasse ich es ersteinmal ruhig angehen, ausgenommen einer Runde Joggen und einem Spaziergang mit meiner neuen Freundin Lucy lege ich mich auf die faule Haut. Auch das muss mal sein.

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Am Montag geht es dann los in das vier Stunden Fahrt entfernte Savannah. Hier wollen wir eine Nacht verbringen, um dann weiter nach Charleston zu reisen. Donnerstags sollen wir dann wieder in Atlanta ankommen.
Damit ich diese Fahrt nicht im Kofferraum verbringen muss (und außerdem weil das mit dem Gepäck gar nicht hinkommen würde), mieten wir uns einen größeren Wagen. Während meine Mutter und Gert diesen abholen, bereiten wir übrig gebliebenen alles für die Abreise vor. Das heißt vor allem: Essen einpacken. Kühlboxen werden beladen, Brote geschmiert und sogar eine Suppe für meinen Großvater gekocht, denn Waltraut hat sich fest vorgenommen, ein Pick-Nick zu veranstalten, und zwar an einem wunderschönen See.
Nur das wir leider die Ausfahrt für diesen verpassen. Und so kommt es, das wir beladen mit Kühlbox und Tüten voller Essen im Hotel einmaschieren. Unsere Mahlzeit lassen wir uns jedoch nicht nehmen, kurzer Hand treffen wir uns im Zimmer von Gert und Waltraut, richten ein kleines Buffet auf dem Tisch her und essen auf dem Bett.
Danach wollen wir erstmal die kleine Stadt erkunden. Dazu greifen wir zunächst auf eine hier nicht gerade ungewöhnliche Methode für Besucher zurück: Touristenbusse. Zum einem gut um sich schnell einen Überblick zu verschaffen, zum anderen haben wir nicht nur bildlich gesehen einen Aufkleber auf dem dick und fett Tourist steht. Außerdem stößt unsere Geduld Angesichts des nevtötenden Lachens der Fahrerin an eine harte Grenze.
Savannah ist das, was in Amerika wohl als alt gelten würde, wie alles was schon mehr als 300 Jahre erlebt hat. Die Stadt selbst vermittelt einen sehr harmonischen Eindruck, mit vielen Bäumen an denen überall 'Spanish Moss' hängt, eine Moosart, die hier die Bäume befällt. Auf die Idee sich welches als Souvenir mit zunehmen sollte man allerdings lieber nicht kommen: Es bietet Lebensraum für kleine Tierchen, die sich mit vorliebe in die Haut von Menschen verbeißen. Die Häuser sind bunt, jede Nase lang gibt es kleine Parks oder Grünflächen, das Wetter ist traumhaft, alles blüht schon und das ganze löst ein richtiges Gefühl von Südsee aus. Jedoch bietet Savannah einen entscheidenen Gegensatz. In jedem Fall ist es ein unbestrittener Touristenmagnet: Am Fluss stehen eine vielzahl von typischen Touristenläden, an jeder Ecke bieten Verkäuferinnen für die Atlantikküste charakteristische aus Schilfgras geflochtene Blumen und Körbe an, die Touristenbusse sind überfüllt. Als ich mich mit meiner Mutter später jedoch von Georgias Drachenfels entferne, bietet sich ein ganz anderes Bild. Die Stadt, die an manchen Stellen nur so vor Leben zu sprühen scheint, wirkt nun verschlafen und leer, ja, teilweise sogar ausgestorben. Anscheinend wohnen in der Saison mehr Besucher als Einwohner in dieser Stadt und nach sechs werden die Bürgersteige wohl hochgeklappt.
Weshalb wir auch nicht viel länger als sechs damit verbringen die grüne Stadt kennen zu lernen. Bald geht es zurück ins Hotel und von dort aus in ein sehr schickes Restaurant, das früher mal ein Ballsaal oberhalb einer Feuerwehr war (Dies stellt sich nach einer hitzigen Debatte über die Frage, ob es nun Feuerwehr oder Ballsaal war heraus). Ein gelungener Abschluss dieses Tages, gespannt auf Charleston sinke ich Abends in mein Bett.

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Den nächsten Tag beginnen wir auf die Empfehlung einer Mitarbeiterin des Hotels hin bei Claire's. 
Nicht zu unrecht, wie sich herausstellt: Claire's ist einer dieser typischen Läden, die man aus jedem amerikanischen Film kennt und in den USA selbst an jeder Straßenecke finden kann. Aber genau dasgen macht sie für die Einheimischen familiär und für uns Besucher so besonders. Und so lassen wir uns das typisch amerikanische Frühstuck, Toast, Eier, Omletts, Pencakes nicht zu knapp schmecken - bei den reichhaltigen Portionen ist hungern generell nicht möglich.
Danach geht es auch schon wieder ans packen und auf den Weg nach Charleston. Doch vorher gibt es noch einen kleinen Abstecher: Nach Hilton Head Island, genauer gesagt für's erste zu einem besonderen Teil: Sea Pines Plantation. Vor gar nicht so langer Zeit, jedenfalls keiner wenn man in europäischen Maßstäben rechnet, war alles hier noch ein einziger Urwald. Dann kam ein Mann, dessen Namen ich vergessen habe, vorbei und nahm sich vor hier ein Ferienparadies zu errichten. Wer immer es auch war - ich sollte den Namen wirklich nocheinmal in Erfahrung bringen - es ist im gelungen. Und das lässt man sich kosten.
Im endeffekt ist die Insel nichts weiter als ein riesiges Feriendorf: Man kann sich hier Häuser kaufen und weiter vermieten. Wer keines hat, der zahlt Eintritt um sich einen Tag hier zu gönnen und es gibt sogar extra Strände, nur für die Urlauber. Was ich davon halten soll weiß ich zuerst nicht recht. Doch bei näherer Betrachtung: Wo ist der Unterschied zu einem Ferienresort? Wohl nur der, dass dort gar keiner rein kommt, der nicht dort sein Zimmer hat
Waltraut und Gert hatten zwar einst ein Haus hier, doch umsonst werden wir trotzdem nicht reingelassen.
Was soll's, dafür spazieren wir zum ersten Mal in diesem Jahr am weiten Strand entlang. Viel ist noch nicht los, den größten Anteil an den uns Entgegenkommenden machen Hundebesitzer aus. Diesen versuche ich einen Ball anzudrehen, den wir am Strand gefunden haben. Aber entwerder laufen die Hunde keinen Bällen hinterher, oder haben schon einen. Frustriert darüber, dass mein Versuch offenbar nicht fruchtet, lasse ich den Gummiball irgendwann einfach wieder fallen.
Jetzt geht es zum Hafen, wo alle entblößt entlanglaufen und sich ihre Drinks in kurzen Hosen und Tops schmecken lassen. Diese Mentalität der Amerikaner, bei jedem kleinsten Sonnenstrahl schon so viel Haut wie möglich zu zeigen, wird sich mir wohl nicht so schnell erschließen. Nein, ich bleibe lieber bei meinem Sweatshirt.
Auch nach dem Essen mit Sicht auf die Boote geht es nicht direkt nach Charleston, zuerst kommt noch ein anderer Hafen dran. Eher gesagt eine Hafenstadt, dem Namen nach zu urteilen. In Habourtown tummeln sich die Schiffe der Reichen, doch wie ich finde nicht umbedingt zwangsläufig Schönen. Die Läden hier sind entweder völig typische Souvenirstände oder für uns nicht bezahlbar. Also wird hier nur noch schnell ein Eis gegessen. Naja, so schnell wie es mit vier Frauen eben geht.
Und dann, dann fahren wir schließlich doch noch nach Charleston, einer wunderschönen Stadt, von der ich und meine Mutter heute allerdings nicht mehr viel mehr als die Fußgängerzone sehen werden, doch auch diese ist es Wert.
Wie auch immer, die Zeit ist auf Grund unseres ausgedehnten Ausflugs doch schon ziemlich weit fortgeschritten und es dauert nicht lang, bis wir uns zum Abendessen treffen. Heute ist es ein Italiener - in dem es so laut ist, dass wir unsere eigenen Worte kaum verstehen. Zusätzlich muss wohl etwas in der Küche ziemlich schief gegangen sein: Wir warten und warten auf unser Essen und als es schließlich doch noch irgendwann kommt, tut es dies nicht zur selben Zeit. So sind die ersten schon wieder fertig, als meine Großmutter ihr - kaltes - Essen bekommt.
Jetzt wissen wir zumindest, wo wir morgen nicht hin gehen.

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Der nächste Tag beginnt bei 'Joseph's', einem kleinen netten Lokal, indem die Tischdecken aus Papier bestehen und extra Stifte auf dem Tisch vorhanden sind. So außergewöhnlich wie dieses Dekor ist auch unser Kellner, der uns am Ende eine äußerst amüsante handgezeichnete Rechnung zeigt. Auf der wurde so viel rumgekritzelt, dass wir nicht genau wissen, wie er noch die Endsumme berechnet haben will, aber wir vertrauen dem charmanten Afroamerikaner diesbezüglich.
Auch Charleston wollen wir in echter Touristenmanier erkunden: Mit der Pferdekutsche. Allerdings fallen unsere Pferde im Endeffekt als Maultiere aus, denn diese sind zäher und überstehen somit den heißen Sommer an der Atlantikküste besser als ihre reinrassigen Artgenossen. Und trotz meiner anfänglichen Skepsis bezüglich der Idee mit der Kutsche, es macht richtig viel Spaß! Unser Guide versorgt uns am laufenden Band mit Informationen, meist über die Häuser an denen wir vorbei fahren. Und was das für Häuser sind, eine wunderschöne Bauart haben die meisten. Besonders auffalend ist die Tür zur Veranda, also einem Raum, der eigentlich an einer Seite offen ist. Und was noch viel schöner ist als die vielen Häuser an sich ist, dass in den Gärten alles blüht. Alles hier wirkt so vital und verkörpert einen schönen Ausgleich zwischen altertümlicheren Baustil (zumindest was die USA angeht) und neuen Leben. Als wir dann am Wasser sind, bin ich endgültig von Charleston begeistert. Schade eigentlich, dass die Kutschfahrt so schnell um ist.
Doch wir haben ja auch noch Füße,und so machen wir uns wieder auf den Weg zum Wasser, spazieren einfach an der endlos langen, wunderschönen Promenade entlang. Hier hätte ich heute Morgen mal Joggen gehen sollen! Nachher ist man immer schlauer, doch auch der Weg, den ich in der Frühe eingeschlagen habe war schön zu laufen.
Leider sind nicht mehr alle wie ich 15 und die anderen wollen langsam zum Hotel zurückkehren.
Dort hält es mich aber nicht lang, schließlich müssen ich und meine Mutter ja auch noch etwas für die Daheimgebliebenen besorgen. Also heißt es wieder raus aus dem Zimmer und auf die Kingstreet, die Einkaufsstraße Charlestons. Die Läden hier sind schön - aber auch teuer. Und auch den eigentlich von uns gesuchten Supermarkt finden wir nicht. Schließlich trenne ich mich dann von meiner Mutter, die weiter die Augen nach einem Lebensmittelgeschäft offen hält.
Ich für meinen Teil möchte mir das College einmal aus der Nähe anschauen. Schon bald erreiche ich seine Gebäude und aufeinmal stehe ich auf dem Campus. Ein komisches Gefühl, irgendwie scheint alles schon so vertraut aus diesen ganzen amerikanischen Filmen, doch trotzdem wirkt es... anders. Um mich herum laufen Studenten mit Taschen über den Schultern und was viele Mädch betrifft mindestens einem Pfund Schminke im Gesicht. Ich frage mich, ob man mir wohl ansieht, dass ich hier eigentlich nicht hingehöre - nicht zuletzt weil ich wohl als einzige eine lange Hose an habe.
Mir gefällt das Gewusel, doch das einfache nur dastehen und die Leute beobachten muss auf die Dauer wohl ziemlich blöd aussehen. Deshalb mache auch ich mich wieder zum Hotel auf.
Meine Mutter hat immer noch keinen Supermarkt gefunden, deshalb versuchen wir es jetzt nocheinmal mit Waltraut und meiner Großmutter zusammen. Tatsächlich werden wir fündig - allerdings soweit abseits vom Hotel, dass wir für den Rückweg doch lieber ein Taxi anrufen.
Der gelungene Tag nimmt dann nach einigem hin und her bezüglich der Frage, wo wir essen gehen, im 'Boatshouse' mit Shrimps ein Ende - eine gute Wahl.

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Am Donnerstag findet unser Ausflug an die Küste dann auch schon wieder seinen Schluss.
Nach einem reichhaltigen Frühstück in dem gleichen Laden wie gestern wird gepackt und dann geht es ab ins Auto. Auf der Fahrt kommt dann Waltraut auch noch endlich zu ihrem Pick-Nick, als wir die Staatsgrenze zu Georgia passieren. Auf einer Bank lasse ich die letzten Tage Revue passieren, während ich meinen Joghurt löffele. Sie waren jeder einzelne auf eine andere Weise besonders und schön. Schade, dass wir schon so bald nach Deutschland zurückkehren werden, auch wenn ich mich auf meine Familie freue.
Doch um Trübsal zu blasen bleibt nicht lange Zeit: Denn wo wir schon ein Auto mit allen Schnickschnack gebucht haben, wollen wir dieses natürlich auch ausnutzen. Und so sehen wir 'Das Leben der Anderen' auf unsere Fahrt nach Atlanta. Komisch, dass ich erst nach Amerika kommen musste um so einen schönen deutschen Film zu sehen, denn als er im Kino lief habe ich ihn verpasst.
Dann sind wir irgendwann auch wieder da, zurück bei Waltraut und Gert. Den restlichen Tag lasse ich ruhig angehen: Einfach faul in die Sonne legen und Bücher lesen. Auch dafür muss im Urlaub mal Zeit sein.

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Der Freitag ist unser letzter voller Tag, den wir in den USA verbringen, schon morgen soll es über Brüssel zurück nach Deutschland gehen.
Viel Neues werden wir heute allerdings nicht sehen, denn das Geschenke kaufen haben wir in den letzten zwei Wochen vernachlässigt. Also: Ab in die Sport-, Technik- und Kleidungsgeschäfte. Auch die letzten Postkarten wollen noch eingeworfen werden. Und als wir mit allem fertig sind, ist es auch fast schon wieder Zeit fürs Abendessen.
Doch vorher bekommen auch wir noch Geschenke, hauptsächlich Hausrat für den Waltraut keinen Platz mehr hat. Gert erwartet auch schon sehensüchtig den Garage Sale, den Paul mit Waltraut bald veranstalten wird: Endlich wieder Raum!
Aber auch Paul, den wir besuchen, hat eine Kleinigkeit für uns. Pauls Haus: Gegen ihn wirkt die Wohnung von Waltraut richtig kahl! Jeder Milimeter Wand ist mit einem Bild behangen, auf jeden der unzähligen Beistelltische stehen Figuren, und Teppiche sind auch nicht zu knapp vertreten! Tatsächlich wohnt Paul meist in seinem Wintergarten; das Haus bietet nun wirklich keienen Platz mehr! Der erste Abschied, den wir vornehmen müssen, fällt uns schwer. Hoffentlich werde ich noch einmal Zeit haben, Paul noch näher kennen zu lernen.
Ich drehe noch eine kleine Runde mit Lucy und dann geht es auch schon mit den Gedanken zurück in unser eigenes zu Hause während ich die Koffer packe. Als ich am Ende des Tages ein letztes Mal in mein Bett falle, frage ich mich ob ich diesen letzten Tag nun eigentlich eher genossen habe, oder ob er mir doch so schwer gefallen ist.


 


 





----- to be continued-----

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